Ismilia und der Ismilianische Archipel

Umfangreiche in-time Informationen zu Land, Gesellschaft, Geschichte, Wirtschaft, Kultur und Religion findet ihr auch im Allgemeynen Almanach der Stadt Neu Ismilia

Land und Leute

Im Westen des cacranischen Festlandes, angrenzend an den Ordensstaat Cacran, befindet sich das Land Ismilia. Für die Bewohner Cacrans war Ismilia seit jeher von großer Bedeutung, da Ismilia im Gegensatz zu allen anderen benachbarten Ländern sicheren Zugang zum Meer bietet. Ein Umstand, den sich die Ismilianer schon früh zunutze machten: Von ihren Hafenstädten aus begannen sie, die See zu bereisen und Handelsrouten zu erschließen. Auch der benachbarte Ordensstaat verwendet die ismilianischen Häfen als Ausgangspunkt für Missionen, bis hin zu den edeanischen Reichen Lischau und Mythossa. Dem ismilianischen Festland vorgelagert liegt der Ismlilanische Archipel. Er besteht aus einer Vielzahl von Inseln, die in den vergangenen Jahrhunderten nicht selten die Herrschaft wechselten. Eine dieser Inseln ist Tol Avestoi mit der Binnenstadt Neu Ismilia.

Die tol-avestoische Stadt Neu-Ismilia

Die Freie Stadt Neu Ismilia liegt im gebirgigen Landesinneren der Insel Tol Avestoi. Auf den ersten Blick mag das verwundern, sind die Ismilianer doch seit Jahrtausenden als Seefahrervolk bekannt. Um die Lage Neu Ismilias zu verstehen, muss man allerdings die Geschichte des Ismilianischen Archipels und der Stadt kennen: Jahrhunderte des Krieges in denen die dominierenden Herrschaftshäuser Nurhn und Avesta um jede einzelne Insel im Archipel kämpften - mal gegeneinander, mal Seite an Seite gegen einen gemeinsamen Feind, haben das Land und die Menschen maßgeblich geprägt. In seinen Anfängen war – wie der Name vermuten lässt – Tol Avestoi Teil des avestischen Einflussbereichs und die damalige Hauptstadt der Insel Syena lag an der Nordküste. Da die Avestianer der Seeangriffe des Hauses Nurhn müde wurden, zogen sie sich in das schwerer zugängliche Landesinnere zurück und gründeten eine neue Stadt, Niaveri: Mit Erfolg, denn von hier aus konnte man das gesamte Landesinnere kontrollieren und hatte Zugang zu allen wichtigen Küstenabschnitten. Später wurde der Einfluss des aus Cacran stammenden Ordo Iovis immer größer und die Gründung der Ordensfeste Talon auf der Insel hatte eine schlichtende Wirkung auf die Region: Bewohner von benachbarten Inseln siedelten sich in Ismilia an und auch die beiden Häuser kamen einander näher. Als Zeichen des Friedens wurde Niaveri in Neu Ismilia umbenannt, das ehemals vorherrschende Haus Avesta bildet allerdings noch immer die Oberschicht Neu Ismilias. Die Stadt lässt sich grob in drei Bezirke einteilen: die Oberstadt, die Unterstadt und die Vorstadt.

  • Die Oberstadt: Die Oberstadt wird von der bürgerlichen Elite bewohnt. Hier hat das einstmals herrschende Haus Avesta seinen Sitz und betreibt noch immer eine vornehme Taverne, aber auch das die Räumlichkeiten des Ordens, die Verwaltung der Stadt, der Ratssaal und die Amtsstuben des Ordinatoriums befinden sich hier. Seit einiger Zeit hat auch die Gemeinschaft der Freien Bürger in der Innenstadt Grund gekauft: Hier wird ein Gasthof betrieben, in dem es sich gut speisen lässt und betuchte Gäste auch übernachten können. Der Platz der heiligen Viereinigkeit in der Mitte der Innenstadt ist Zentrum des religiösen und kulturellen Lebens der Stadt, besonders der kürzlich eröffnete Biergarten wurde von den Neu Ismilianern rasch ins Herz geschlossen. In der Nacht schließt die Oberstadt ihre Pforten; wer seine Schlafstätte in der Inneren Stadt hat und die Sperrstunde verpasst hat kommt, wenn überhaupt, nur mehr durch einen gehörigen Obolus an die Torwache in sein warmes Bett. Das Nachtleben verlagert sich ins angrenzende Handelsviertel.
  • Die Unterstadt: Das eigentliche Leben findet im der Innenstadt vorgelagerten Bezirk statt. Im Schutze der Stadtmauern herrscht hier reges Treiben: Zahlreiche Händler und Handwerker haben sich hier angesiedelt, die untertags ihre Waren und Dienste anbieten. Dominiert wird das Viertel von Haus Nurhn: Das Haus betreibt die größte Taverne und viele der Bewohner des Viertels stehen dem Haus nahe. Doch auch die Freien Bürger haben beträchtlichen Einfluss auf das Geschehen in der Unterstadt. Der große Markt findet täglich auf dem Richtplatz vorm Hause Nurhn statt.
  • Die Vorstadt: Außerhalb der Stadtmauern hat sich in den letzten paar Jahren ein Vorstadtviertel gebildet, in dem vor allem Fremde, Reisende und jene Menschen leben, die sich ein Leben in der Stadt und das dafür notwendige Bürgergeld nicht leisten können. Die Zustände hier sind vergleichsweise chaotisch, da sich die Ordinatoren für die Vorstadt nicht verantwortlich fühlen – ein Umstand, dem die Freien Bürger entgegenzuwirken versuchen. Die Flüchtlingsströme von der Küste, die das vergangene Jahr in die Vorstadt geschwemmt hat haben die Lage noch angespannter gemacht. Durch die Morde an den beiden Köpfen der Vorstädter Banden ist die Zukunft der Vorstadt noch ungewisser geworden.

Jedenfalls sehen die etablierten Gruppierungen die Vorstadt als Rekrutierungsbecken an. Wer hier lebt, kann man nicht genau sagen, nur die dort befindliche Armenmission sowie der Friedhof, der ehrenlosen Bewohnern Arbeitsmöglichkeiten bietet, sind feste Bestandteile der Vorstadt. 

Gesellschaft

Der soziale Status ist in der Gesellschaft Ismilias, das seit jeher von den Häusern Nurhn und Avesta dominiert wird, äußerst wichtig. Das spiegelt sich auch im Miteinander in der Stadt wider: Wer es schafft, sich einem der beiden Häuser anzuschließen , steigert sein Ansehen bei der gesamten Bevölkerung, wiewohl die Freien Bürger zunehmend erfolgreich bestrebt sind, diesen Verhaltenscodex zu durchbrechen.

Ordnung vor Unordnung: In Ismilia herrscht die Vorstellung, die Ordnung der Welt und der Gesellschaft würde sich direkt auf die Gesundheit des Menschen auswirken. An oberster Stelle der Gesellschaft stehen die Ratsherren und Ratsdamen. Das Amt des Ordinators genießt hohes Ansehen und steht über den meisten anderen Berufen. Der Beruf des Totengräbers und des Schinders wird andererseits als unordentlich und ungesund angesehen: sozialer Aufstieg ist hier so gut wie ausgeschlossen.

  • Hausangehörige vor Hauslosen: Ein Angehöriger eines Hauses steht im Allgemeinen über einem Hauslosen. Der Ordo Iovis wird in dieser Hinsicht als Haus angesehen – hin und wieder ist sogar von Haus Io die Rede. Die Freien Bürger wollen, dass ihre Gesellschaft ebenfalls als Haus angesehen wird, was aber besonders bei Haus Nurhn und Haus Avesta auf Ablehnung stößt.
  • Reichtum vor Armut: Wer vermögend ist, genießt im Allgemeinen höheres Ansehen als ärmere Bewohner. Wer eine Arbeit hat, steht im Allgemeinen über einem Arbeitslosen.
  • Bürger vor Beisassen: Wer Bürger der Stadt ist, steht im Allgemeinen über Beisassen, also Bewohnern, die das Bürgerrecht noch nicht erlangt oder wieder verloren haben.

Durch Anschluss an eine Gruppe, Arbeit und die richtigen Freunde kann sich jeder Bewohner der Stadt auf der sozialen Leiter hocharbeiten.

Religion

Vermutlich gehen so manche religiösen Bräuche des ismilianischen Archipels noch auf heidnische Kulte längst vergessener Zeiten zurück. Sicher ist jedoch eins, unter der vereinheitlichenden Kirche Ios gelangten besonders die als Skriptoren verehrten Begleiter Gioviannis Nurnius und Aves zu besonderem Ruhm. Als Schutzpatrone der Häuser Nurhn bezwiehungsweise Avesta dominieren sie den religiösen Kult im Archipel. Der Glaube an Gott IO, Erschaffer der Gesundheit, und an die zwölf Skriptoren, den Weggefährten IOs als er als Giovanni unter den Lebenden wandelte, ist in Ismilia unangefochten. Der Glaube stützt sich zu allermeist auf die Schriften der zwölf Skriptoren, die von den Lehren Giovannis berichten. Jeder der zwölf Skriptoren steht für einen speziellen Aspekt der Heilung: Insbesondere steht Aves für die Atmung und die Heilung durch die Luft und Nurnius für die Körpersäfte und die Heilung durch Wasser und wohltuende Bäder.
Die Verbreitung der Regeln des Glaubens und die Interpretation der heiligen Texte obliegt den Patern und Matern des Ordens.

Das zentrale Element des Glaubens, das sich in allen heiligen Texten wiederfindet, ist die Gesundheit die es zu bewahren gilt. So nehmen die kundigen Medici, die Ärzte und Heiler, einen wichtigen Status im Orden und der Gesellschaft ein. Nur ihnen ist die Ausübung der Heilkunst erlaubt, jedoch kann sich jeder - ob arm oder reich - in den Hospitälern des Ordens behandeln lassen.
Neben den Medici und den Patern sind es auch noch die Custoden, die das Leben im Orden bestimmen. Sie gelten als das Schwert und Schild des Ordens, nehmen aber oft auch politische Ämter wahr oder gehen einem Handwerk nach.

Verbreitet wird der Glaube durch den Ordo Iovis, dessen Großmeister sich (ausgehend vom ersten Großmeister und Schüler Ios, Mendax) als direkte Nachfolger Ios betrachten. Die zentrale Ordensfestung ist das außerhalb von Ismilia gelegene Corpus Cacranis im benachbarten Ordensstaat Cacran. In Ismilia selbst besitzt der Ordo Iovis die große Hafenfestung Corpus Ismilia. Von dort aus koordiniert der vom Großmeister bestellte Exarch Carcass die Ordensangelegenheiten in ganz Ismilia.

Um den über Jahrhunderte schwelenden Konflikt zwischen den Häusern auf der Insel Tol Avestoi zu beenden, vermittelte der Orden im vergangenen Jahrhundert ein Frieden- und Handelsabkommen zwischen den Städten der Insel. Nach der Verabschiedung des Abkommens zogen Brüder und Schwestern von der Ordensfeste Talon im Westen in alle Städte der Insel um den Frieden mit wachsamen Augen und fester Hand zu bewahren. Man nennt diese Zeit auch die Zeit der Talonischen Besatzung - seit ihr ist der politische Einfluss des Ordens in allen Städten Tol Avestois unangefochten.

Der Ordo Iovis steht anderen Religionen naturgemäß feindselig gegenüber: Der Glaube an andere Gottheiten wird in der Regel als Krankheit des Geistes angesehen, die es zu heilen gilt. Der Orden hat durchgesetzt, dass in den meisten Städten im Sinne der Gesundheit das Anbeten fremder Gottheiten bei Strafe verboten ist, was gerade in den Küstenstädten, wo Handel mit Fremdländern betrieben wird, zuweilen zu Problemen führt. Der Großteil der Bevölkerung teilt allerdings die Ansichten des Ordens, sodass es in der Regel nicht zu religiösen Konflikten kommt.

Die Schriften der Skriptoren sowie das Iovis Corpus, wichtigstes Gebet des iovitischen Glaubens, finden sich im Almanach (siehe auch Downloads).

Eine kurze Charakterisierung der Religion auf einem Blatt findet ihr hier.

Ismilianische Namenskunde

Ismilianische Namen und Beinamen verraten so einiges über sozialen Stand, Herkunft und Vergangenheit ihrer Träger. Namen werden in der Regel als Teil der eigenen Persönlichkeit und so auch als Spiegel der Gesundheit angesehen. Der Vor- oder Rufname, den man bei der Geburt erhält, ist wie ein nichtauswechselbares geistiges Gesicht zu betrachten. Die einzige Möglichkeit, den Vornamen zu ändern, besteht darin, dem Ordo Iovis beizutreten und sein gesamtes Leben der Gesundheit zu widmen. Dann soll sich auch das geistige Gesicht verwandeln (nur zum Positiven, versteht sich).

Nach- und Beinamen bilden hingegen in der Vorstellung der Ismilianer die weltlichen Umstände ab: die Herkunft, die Hauszugehörigkeit und die gesellschaftliche Vergangenheit. Da der gesamte Name als eng mit dem Menschen verknüpft gilt, wird das eigenmächtige Ablegen eines Namens der Amputation gleichgesetzt - eine große Sünde! Die Ächtung, die man zu befürchten hat, wenn aus dem Namen dunkle Kapitel der eigenen Vergangenheit ablesbar werden, ist nichts gegen die körperlichen und geistigen Qualen, die einen mit Gewissheit erwarten, wenn man seinen eigenen Namen sozusagen aus sich herausschneidet.

  • Haus Avesta: Avestianer tragen meist wohlkingende, vokalreiche Rufnamen, an denen die Eleganz des Hauses geradezu offensichtlich wird. Avestianer heben sich so allein schon mit ihrem Rufnamen von der breiten Masse der Gesellschaft ab. Nachnamen sind ebenso wohlkingend und in der Regel an der vorletzten Silbe betont sowie auf Vokalen endend. Zusätzlich tragen Avestianer immer auch den Beinamen "Avesta"/"Avesti" (dem Nachnamen nachgestellt) oder kurz "Avest" (in der Regel dem Nachnamen vorangestellt). Dieser Beiname wird automatisch mit dem Eintritt in das Haus angenommen. Nicht selten ersetzt er vollständig den alten Nachnamen. Viele neue Hausangehörige ändern auch ihren Rufnamen so ab, dass er etwas avestianischer klingt.
  • Haus Nurhn: Die Namen der Nurhnianer versprühen die körperliche Kraft der Hausangehörigen: Rufnamen sind stets auf der ersten Silbe betont. Das ist nicht verwunderlich: Wer den ersten Hieb führt und sich nicht feig versteckt, ist oft der überlegene Kämpfer (zumindest sagt man das im Haus Nurhn so). Nurhnianische Rufamen enden so gut wie nie auf Vokalen, dafür enthalten sie häufig Konsonanten welche besonders hart klingen. Typischerweise leiten sich Nurhnische Nachnamen von Begriffen der Seefahrt, Metallbearbeitung oder anderem Handwerk ab und erzählen so ein wenig über die Geschichte der Familie, die den Nurhnianern ja über alles geht. Mit Eintritt in das Haus erhält man den Beinamen Nurhn, welcher für gewöhnlich dem Nachnamen folgt und häufig den Nachnamen mit der Zeit auch ersetzt, was den Gemeinschaftsgedanken des Hauses ausdrückt.
  • Ordo Iovis: Novizen tragen ihren ursprünglichen Rufnamen, verlieren aber im Orden ihren Nachnamen und sämtliche Beinamen, was seine Vor- und Nachteile hat. Mit dem Erheben in den Bruderstand/Schwesternstand erhalten die Ordensmitglieder Rufnamen (sog. Bruder-/Schwesternnamen) in der liturgischen Sprache Cacrans, welche den alten Rufnamen ersetzen. In der Regel enden Namen für Männer auf -us, selten auch -ax, und Namen für Frauen auf -a. So lange man im Orden ist, wird man diesen Namen tragen. Man wird in der Regel zusätzlich mit "Bruder", "Schwester", "Novize" und manchmal auch mit Amtsbezeichnungen "Medicus", "Custos", "Pater" sowie "Skriptor" und "Exarch" angesprochen.
  • Freie Bürger und Ordinatoren: Hier lässt sich keine Regelmäßigkeit feststellen: Freie Bürger und Ordinatoren kommen oft von weit her. Wenn sie ursprünglich aus einer nurhnianischen oder avestianischen Stadt stammen, wird man das auch an ihrem Namen merken. Ordinatoren, die einem Haus angehörten (nach Lettrischem Stadtrecht dürfen Ordinatoren während der Zeit ihres Amtes keine Hausmitglieder sein), tragen auch ihren ehemaligen Hausbeinamen nicht mehr. Das soll die Neutralität der Stadtwache symbolisieren.
  • Aus einem Haus Ausgestoßene: Aus einem Haus offiziell ausgestoßene Individuen erhalten den Beinamen "Rabe". Das gilt für beide Häuser: man will ja schließlich nicht, dass solcherlei Leute direkt mit dem eigenen Haus in Verbindung gebracht werden. Den alten Hausbeinamen verliert man selbstverständlich. Den Beinamen "Rabe" verliert man erst dann, wenn man wieder einem Haus - oder dem Ordinatorium - beigetreten ist.
  • Aus dem Ordo Iovis Ausgetretene: Bei Austritt aus dem Orden, nachdem man schon Bruder/Schwester wurde, verliert man selbstverständlich auch den Bruder-/Schwesternnamen und erhält den neuen Rufnamen (manchmal auch als Beiname) "Falsus" bzw. "Falsa" (wird dann oft zu "Fals" verkürzt). Für solche Individuen ist das aber wohl das geringste Problem...
  • Aus der Stadt Geworfene: Wird man durch Beschluss des Stadtrates aus der Stadt geworfen, erhält man den Beinamen "Grau". Oft werden diese Namen dann leicht verändert, beispielsweise in "Graulich", "Grausen" oder "Abgrau".

Die Belagerung von Neu Ismilia

Zwischen der Stadt Neu Ismilia und der auf der Insel Tol Malat gelegenen Hafenstadt Vastos, so wie Neu Ismilia eine Stadt avestianischen Ursprungs, gab es über Jahrzehnte hinweg einen schwehlenden Konflikt um Handelsrouten, Seeverbindungen, Fischgründe und dergleichen. Es ist nicht ganz vier Jahre her, dass dieser Konflikt mit einem Vertrag beiseite gelegt werden sollte. Zu diesem Zwecke reiste eine Delegation von Neu Ismilia in die auf der Inselgruppe Tol Malat gelegene Hafenstadt Vastos. Unter den Reisenden befand sich die schöne Mirella Avest-Liviani, eine Adoptivtochter des damaligen avestischen Hausherren Laureans. Ihrem Kopf war der Vertrag entsprungen und sie führte auch die Verhandlungen seitens Neu Ismilias. Es war am Abend der Kontraktunterzeichnung, dass Mirella auf den Sohn des Verhandlungsführers von Vastos traf. Dies geschah während eines großen Festes und der Wein floss reichlich. Der Jüngling gehörte dem avestianischen Herrscherhaus von Vastos an, Limanu war sein Name, und sein Körper war gestählt von vielen Jahren als Teilnehmer höfischer Turniere. Wie es Io nun wollte verliebten sich die Beiden ineinander - in anderern Quellen ist von fleischlicher Begierde die Rede - und beschlossen das Fest zu verlassen.

Was dann geschah, ist unklar. Viele behaupten, dass der Wein Limanus Beine schwer machte und er von denn den Zinnen der Burg stürzte. Andere behaupten, Mirella hätte ihn betrunken gemacht, um ihn leichter von der Burg stoßen zu können. Wieder andere behaupten, er hätte sie vor dem Sturz gerettet und war dabei selbst verunglückt. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Mirella jedenfalls floh mit ihrer Delegation nach Neu Ismilia. Als Limanus Vater Ion den Körper seines Sohnes fand, wurde er von furchtbarem Zorn ergriffen. Ion, durch die plötzliche Abreise der Neu Ismilianer stutzig geworden, war von deren Schuld überzeugt. So kam es - obwohl des Gegenteil gewollt war - zu einem Krieg zwischen Neu Ismilia und Vastos.

Nur wenige Wochen nach Limanus Tod begann die Belagerung Neu Ismilias, die über vier Monate andauern sollte. Die Leidtragenden dieser Belagerung waren das einfache Volk, die freien Bürger und das Haus Nurhn von Neu Ismilia. Während der Ordo Iovis aber seine Pforten für die Verwundeten öffnete, so verschanzte sich Mirella mit den ihr Treuen in den Türmen der Stadt. Der Alltag dieser Belagerung war für das einfache Volk hart und grausam, von Hunger und Angst geprägt. Etliche verloren Hab und Gut, ihr Dach über dem Kopf und Familienangehörige. Der äußere Ring und Teile des Südturms wurden während der Belagerung zerstört oder zumindst schwer beschädigt.
Warum die Belagerung schließlich endete, weiß niemand genau. Und was mit Mirella, die nach der Belagerung nirgendwo zu finden war, geschehen ist, wird wohl auch für immer ein Rätsel bleiben.

Auch, wenn der Groll des Hauses Nurhn gegen Haus Avesta durch die Belagerung wieder erstarkt ist, so werden die Taten der Hauswachen des Hauses Avesta selbst von den Nurhnianern hochgelobt und jeder Veteran dieses Konfliks wird in Neu Ismilia hoch geachtet.

Nach Ende der Belagerung wurde das Haus Nurhn schließlich mit dem Abriss der noch vorhandenen Mauerreste und der Errichtung einer neuen, hölzenen Stadtmauer beauftragt. Die Schäden am Südturm wurden vom Orden behelfsmässig repariert. Die runde Gebetskanzel, die nach den Inselkriegen vom Orden an den Südturm angebaut wurde, wurde jedoch nicht wieder aufgebaut und so legt heute nur mehr ein kleiner Erker an der Ostflanke des Südturms Zeugnis darüber ab. Vom äußeren Ring ist lediglich das Fundament an einigen Stellen, besonders im Westen, erhalten geblieben. Der Wiederaufbau kostete jedoch viel Geld und konnte nur mit den finanziellen Mitteln der durch die Lockerung des Handwerksrechts wirtschaftlich erstarkten Bürgerschaft bestritten werden. Die finanzielle Hilfe hatte jedoch ihren politischen Preis: die Bürger erhielten erstmals den schon lange geforderten Stadtratssitz.

So ist, bei allen Wirren der Belagerung, heute jedenfalls Eines sicher: Aus den Trümmern der vastischen Belagerung stieg besonders eine Gruppierung gestärkt hervor - die Freien Bürger. Aus einem lockeren, hauslosen Haufen von Händlern und Handwerkern wurde im Schmelztiegel der Schlachten eine funktionierende Führungsstruktur geschweißt, die nicht einmal die vereinten Kräfte von Avesta und Nurhn bislang zu trennen vermochte.

Die Gesetze von Neu Ismilia

 

Die Gesetze Neu Ismilias basieren auf dem lettrischen Recht, einem Rechtssystem das in der weitentfernten Stadt Corpus Lettra seinen Ursprung fand. Grundlage dieses Rechtssystem ist ein Codex allgemein gültiger, von einem Stadtrat festgelegter Gesetze, deren Einhaltung durch ein von Stadtrat und Häusern unabhängiges Ordinatorium sichergestellt wird. Das Lettrische Recht löste erst 2491 die zuvor geltende avestianische Willkürsherrschaft mit Rechtsprechung durch den Hausherren ab. Damals sah sich Neu Ismilia, ausgeblutet von den Inselkriegen zwischen den Häusern, gezwungen, dem Lettrischen Städtebund, einem starken Handelsbund der damals wie heute das Archipell dominierte, beizutreten. Grundbedingung für die bereitgestellte wirtschaftliche Hilfe durch den Städtebund war allerdings die politische Gleichstellung des Hauses Nurhns, die Einführung eines gesetzgebenden Stadtrats und schließlich die Verabschiedung eines allgemeinen Gesetzbuches welches im Jahre 2494 erstmal Gültigkeit in Neu Ismilia erlangte.

Das seither schon vielfach überarbeitete Gesetzbuch regelt nunmehr alle Bereiche des Neu Ismilianischen Lebens, von Handel und Handwerk, über sträfliches Handeln bishin zu den privaten Angelegenheiten der Bürger wie Erb- und Eherecht. (Zumeist) unabhängige Richter sind es, die über die Einhaltung der Gesetze urteilen, während Schreiber für die alltäglichen Formalitäten zuständig sind und die Wachen den Frieden in der Stadt bewahren.

Das Allgemeine Gesetzbuch der Stadt Neu Ismilia findet sich im Download-Bereich

„Das also ist Neu Ismilia. Auf den ersten Blick wirkt es hier eigentlich recht ruhig, so mitten in den Bergen von Tol Avestoi. Lass dich davon nicht täuschen! Hier kann’s genauso zugehen wie in den Städten an der Küste. Vor fünf Jahren bin ich hier her gekommen… am Anfang hab ich mich als Tagelöhner durchgeschlagen, dann habe ich für die Straßenmeisterei gearbeitet. Naja, und vor kurzem hat mich dann einer von den Freien Bürgern als Dienstbote angeheuert. Für den erledige ich jetzt alles, was so anfällt… Und hoffentlich kann ich mir dann irgendwann das Bürgergeld leisten.“